dackel_500[1] (Artikel aus “Stern exklusiv”)

Neurologie
Therapeut auf vier Beinen
 

Das ist nicht Pelle, aber ein Artgenosse: ein  Rauhaardackel


Auf der  Neurologiestation des Uniklinikums Bremen leistet ein ungewöhnlicher Therapeut 
seinen Dienst: Pelle, drei Jahre alt, ist ein Rauhaardackel und von Kollegen und Patienten
hochgeschätzt.


Als die  Tür aufgeht und der kleine Hund auf den Mann zuläuft, fängt dessen Gesicht an zu 
strahlen. Sagen kann der Mann nichts. Auch nicht aufstehen. Er sitzt im  Rollstuhl, gelähmt.
Der Hund schnuppert an der Hand des Patienten, in der  Kanülen mit dünnen Schläuchen stecken,
die an verschiedene Apparate angeschlossen sind. Der Mann lächelt immer noch. Es ist eine der
wenigen  Regungen, die seine Muskeln ihm zur Zeit erlauben.

Pelle wird jedes Mal gründlich untersucht
"Hallo, mein Name ist  Pelle und ich therapiere auch hier", steht auf dem Schild an der gläsernen
Eingangstür der Neurologiestation des Klinikums Bremen-Ost. Seit zwei Monaten  ist der dreijährige
Rauhaardackel zwei Mal wöchentlich mit der Physiotherapeutin Birte Westerkamp auf der Station im
Einsatz. Vorher wird er jedes Mal gründlich  auf Flöhe, Zecken und Schmutz untersucht.
"Hygiene spielt schliesslich eine grosse Rolle im Krankenhaus", sagt Westerkamp.

Eine grosse Rolle spielt auch  Pelle mittlerweile - bei den Patienten ebenso wie bei den Ãrzten und
Schwestern. "Pelle erfährt extreme Unterstützung auf der ganzen Station", sagt Oberarzt  Markus Ebke.
"Durch den Hund werden die Patienten unglaublich motiviert." Das kann Therapeutin Westerkamp
bestätigen. Sie berichtet von einem jungen Mann, der nach längerer Therapie die Lust an den täglichen
Übungen verloren hatte. "Aber  als ich mit Pelle zu ihm kam, wollte er auf einmal doch wieder  mitmachen."

Auf der  Neurologiestation heisst es Pelle statt Flipper.
Auf die Idee, sich mit ihrem Dackel zu einem "Therapiehundeteam" ausbilden zu lassen, ist die 33jährige
durch ihr Interesse  an der so genannten "Delfintherapie" gekommen. Bei der kommen Patienten mit Delfinen
in Berührung, was die Genesung beschleunigen soll. "Aber Delfine sind  hier ja nun einmal nicht so weit
verbreitet", sagt Westerkamp lachend. Also heisst es für die Patienten auf der Neurologiestation: Pelle statt
Flipper.

Ausgebildet wurden der Dackel und sein Frauchen von Ines Pawlitzki, der Vorsitzenden des Deutschen
Berufsverbands für Therapie- und Behindertenbegleithunde (DBTB). Rund ein Jahr dauert es, bis Hund
und Halter für den Einsatz in Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen oder Pflegeheimen fit  sind.
Grundsätzlich kann fast jeder Hund dafür ausgebildet werden. "Die Tiere  müssen vor allem gesund,
lernfreudig und menschenbezogen sein", sagt Pawlitzki.

Pelle darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Diese Voraussetzungen hat  Pelle von Geburt an
mitgebracht. "Er ist überhaupt nicht biestig", sagt  Westerkamp. Das darf er auch nicht sein im Umgang
mit den Patienten. Die müssen  nach Schlaganfällen oder Hirnblutungen ausgelösten Lähmungen alltägliche 
Bewegungsabläufe wieder neu erlernen. Pelle darf sich dann von unsicheren  Bewegungen oder etwas
ruppigeren Streicheleinheiten nicht aus der Ruhe bringen lassen.